Diese Poetry Slam Uschi Psychologin hat der deutschen Webszene mal ordentlich Dampf unterm Arsch gemacht. Bei ihrem bezauberndem Auftritt, berichtete sie über das gesellschaftliche Phänomens der Tatenlosigkeit, des Abwartens, des Nicht-Tuns. Sie ermahnt dabei ganz charmant die Zuhörer_innen, etwas aus dem eigenen Leben zu machen, damit (oh Baby) sie ein paar krasse Storys zu erzähen haben wenn sie alt sind. Natürlich applaudieren die anwesenden Menschen, im Alter von 20-30 Jahren, bis ihre Ray Ban Brillen wippen. Von "wir" redet Julia Engelmann wenn sie über die "Generation Prokrastination" spricht, zu welcher sie sich zugehörig fühlt. "Wir" sind faul, "wir" machen nix, "wir" hängen am Smartphone. "Wir" bleiben nicht wach bis die Wolken wieder lila sind, "wir" klettern nicht auf das höchste Haus der Stadt und "wir" hocken lieber auf dem Sofa. "Unser" eigener Anspruch sei demnach möglichst wenig Hirnschmalz zu verbrauchen.
So, jetzt hat die das alles gesagt. Ganz schön, mit Poetry Atemtechnik und Jeansjacke (Nieten inklusive). Und ich kann ihr auch fast nicht böse sein, vor lauter Engelsmäßigem Auftreten. Aber nur fast. Ach eigentlich bin ich ihr wirklich nicht böse. Sie spricht lediglich das aus was anscheinend so viele denken. Und das macht mich wütend. Dieses Land steckt voller Probleme. ich sag nur Koalitionsvertrag. Es gibt genug Themen, Jobs, Ehrenämter was weiß ich was, wo sich Menschen engagieren können. Wo sie etwas bewegen können. Doch sie sind antriebslos. Und das auch nur, weil sie es sich leisten können.
Mal im ernst? Wer kann es sich denn erlauben eine Stunde täglich damit zu verbringen nachhaltig nicht wertvolle Aktivitäten durchzuführen? Egal ob (heut zu tage) Smartphones oder (damals) Bücher, Menschen die Zeit haben, Zeit zu haben, sind luxuriös ausgestattet. Meiner Meinung nach ist es jedoch wichtig diese luxuriösen Ressourcen in etwas einfließen zu lassen, das mehr Wert hat als ein Level Candycrush.
Ich denke der Beitrag von Frau Engelmann wird so dermaßen gehyped, weil alle
Menschen die sich der "Generation Prokrastination" zugehörig fühlen
endlich eine Anführerin gefunden zu haben scheinen. Jetzt sitzen sie zu
Hause an ihren Smartphones, klettern während dessen vermutlich nicht auf
die höchsten Türme ihrer Stadt, schauen sich das Video an und werden mal
wieder den Abend mit YouTube, Tumblr und co. verbringen bis die Wolken wieder
lila sind.
Eine Tragkomödie der Generation Prokrastination.
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