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Montag, 10. September 2012

Vollkommen übermüdet

stieg die 23 jährige Hartzerin um 04.00 Uhr ins Bett um den Wecker drei Stunden später gegen die Wand zu ballern. Volle Pulle. In einem Schock-ähnlichen Zustand ging sie bewusst nicht duschen um das Hartzer Image nicht komplett aufzugeben. Immerhin stand sie heute das erste mal seit 3 Monaten vor "Punkt 12" auf. Der Grund ihrer einmaligen Eskapade: Arzttermin. Sowas nahm sie ernst. Die ganze Nacht vor dem Arztbesuch konnte sie nicht schlafen, sondern malte sich mögliche Szenarien aus wie es beim Arzt wohl so laufen würde.
"Sie haben Krebs.", "Ihr Rachen sieht aus wie Mittelerde nach der großen Schlacht!", "Frau Wood, was machen Sie denn schon wieder hier? Sie mögen wohl Doktorspiele was?"

Ja, so in etwa träumte die Hartzerin, die hauptberuflich eigentlich studierte, aber in den Semesterferien war ausschließlich hartzen angesagt. Nachdem sie sich die Zahnbürste quer durch die Kauleisten schob, radelte sie los. Die 4-minütige Fahrt war eine Mischung aus aufgehender Sonne, frischem Tau auf grünen Zweigen, besoffenen Pennern und genervten Müttern mit riesengroßen Doppel-Kinder-reinpferch-Rad-Anhängern. Herrlich. Angekommen in der Praxis drängelte sich zunächst eine pummlige Mitte 40erin an ihr vorbei und schredderte mit ihrem, in ein NEON-farbiges Kleid verpackten, fetten Arsch an der Hartzerin entlang. Als die Neon-Tussi an der Rezeption stand und die Arzthelferin sie freundich anlächelte begann sie so schnell zu reden, dass es einem Rap sehr nah kam! "GutenMorgenMeinNameIst Karola Schmidt IchHabeKeinenTermin, BinAberSeit FreitagAufDemRechtenOhrGehörlos." Die Hartzerin verdrehte die Augen, die Arzthelferin traf ihren Blick und beide schmunzelten. Karola Neon-Schmidt wurde rot, füllte einen Anmeldebogen aus und stöckelte anschließend auf ihren Highheels ins Wartezimmer um die "Jolie" zu lesen. Wahrscheinlich suchte sie darin nach weiteren modischen Zumutungen.

In des setzte sich die Hartzerin ans andere Ende des Wartezimmers wo ein Fernseher an der Wand hing. Breitbild. 42 Zoll. Mindestens. "Wunderbar, wie zu Hause. Sah ich doch gestern noch eine Doku über Kiwis." dachte sie sich und lies nun, um 08.10 Uhr eine Tierdokumentation über Bieber auf sich wirken. Zwischendurch ein Blick zum Grauen in Neon. Sie las sich sicher gerade "10 Gründe warum Sie nicht an den FKK Strand gehen sollten!" durch. Da stünde dann sowas wie: Das einzige Gehänge was Sie sehen sollten, ist das ihres Mannes; Nahtlose Bräune ist voll 70er; Körperöffnungen und Sand passen einfach nicht zusammen; Womöglich macht jemand ein Video von ihrem Po und läd dies dann bei Youporn hoch; Nachher werden Sie noch neidisch auf die Cellulite freien Beine der anderen Frauen; etc. Fotzenthemen mit viel femininer Erniedrigung eben.

Die Biber begannen gerade ihren Biber Kindern den Dammbau zu erörtern, als die Hartzerin aufgerufen wurde. In Behandlungszimmer 4 angekommen wurde sie von 6 Spielzeug Lokomotiven auf einer Anrichte, 3 Bildern von alten Loks und einem Bildschirmschoner bestehend aus Schienen und darauf fahrenden Zügen überrascht. "Gott sei Dank, ein Arzt mit Schaffner-Fetisch" dachte sie sich und setzte sich auf den riesigen Bahndlungsstuhl zwischen unzählige silberne Instrumente. Dann ging alles ganz schnell, der Arzt kam, sah, und die Seitenstrangentzündung siegte.

Jetzt sitzt die Hartzerin wieder zu Hause und kann ihren gewohnten Tagesablauf fortsetzen. Vor lauter Euphorie darüber, dass sie doch keinen Krebs hat und ihr die Cellulite an Frauenbeinen scheißegal ist, goss sie ihre Pflanze heute mal mit Sprudelwasser und schrie sie danach an: "Damit es für Dich auch mal ein bisschen prickelnd ist!" Danach aß sie um Punkt 09.30 Uhr ein bereits seit längerer Zeit in der Küche liegendes Knoppers. So schnell würde sich die Möglichkeit schließlich nicht mehr ergeben.

2 Kommentare:

  1. o gott melinrr!

    der war aber jetzt wieder grandios

    ICH LACHE, WIE ICH LACHE!!!

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  2. Endliiiich!!! Dankeschön! =) Du bist die rste die es sagt! Dane danke danke :*

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